Inge Höger in der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Bielefeld
Gemeinsam mit VertreterInnen der Flüchtlings- und Asylberatung, mit Politikerinnen aus dem Bielefelder Rathaus und ehrenamtlichen Helfern besuchte Inge Höger am 10. Dezember die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Bielefeld. In dem 2011 wiederbelebten, schon früher als Erstaufnahme fungierenden Haus können aktuell 250 Flüchtlinge aufgenommen werden
, bevor sie von der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) geprüft und in die Kommunen weitergeschickt werden. Zur Zeit ist ein Erweiterungsbau in Arbeit, der Mitte 2015 fertig werden soll. Dann gibt es dort Platz für 450 Flüchtlinge. Im Neubau ist eine dringend überfällige Krankenstation eingeplant sowie ein größeren Aufenthaltsraum und bessere Spielmöglichkeiten für Kinder. Der jetzige Aufenthalts- und Speiseraum reicht für so viele Menschen nicht aus und die BewohnerInnen können nur in „Schichten“ essen.
Die „European Home Care“, die als billigste Anbieterin auf dem Markt der Flüchtlingsheime durch Gewalt und Übergriffe auf Flüchtlinge bekannt geworden ist, hat hier keinen Zuschlag bekommen. Aber auch hier musste eine europaweite Ausschreibung erfolgen, um den „günstigsten“ Anbieter zu ermitteln. Eine Organisation der freien Wohlfahrtshilfe, die ursprünglich Interesse an dem Betrieb der Flüchtlingserstaufnahme hatte, sah sich außerstande, die geforderten Leistungen mit der geringen finanziellen Ausstattung zu gewährleisten.
Der Andrang in der Einrichtung ist zeitweise sehr groß. Oft bleiben die Flüchtlinge nur ein bis zwei Nächte in der Erstaufnahme und werden dann zu anderen Auffanglagern weitergeschickt. In dieser Zeit ist eine angemessen Asylberatung, die eigentlich stattfinden soll, nicht möglich. Medizinische Betreuung der oft kranken und schwer traumatisierten Menschen gibt es jetzt im Hause nicht, Krankenhäuser und Ärzte sind in der näheren Umgebung nicht vorhanden. Sind Flüchtlinge krank müssen teilweise lange Wege und viele Hürden genommen werden, um die nötige Behandlung sicherzustellen.
Frauen aus einer nahe gelegenen Kirchengemeinde haben in Absprache mit dem Sozialpfarrer des evangelischen Kirchenkreises inzwischen eine Kinderbetreuung im Haus etabliert. Drei bis vier Mal in der Woche können die Kinder in einem von den ehrenamtlichen Helferinnen eingerichteten Zimmer ein paar Stunden spielen. Fremdenfeindliche Aktionen gab es – bis auf eine Aktion der Rechten im Wahlkampf – bisher nicht. Gerade das Engagement der Ehrenamtlichen aus dem Bezirk ist ein guter Weg, Verständnis für die Lage der Flüchtlinge zu entwickeln und Fremdenfeindlichkeit im Ansatz zu stoppen.
Inge Höger betont: Immer mehr Menschen in der Welt müssen vor Kriegen, politischer und ethnischer Verfolgung fliehen. Die jetzt in Deutschland ankommenden Flüchtlinge werden zum großen Teil hier bleiben. Sie brauchen unsere Hilfe und Solidarität. Bund und Länder müssen dafür sorgen, dass die Lasten nicht bei den ohnehin armen Kommunen des Landes hängenbleiben.

