Jahreshauptversammlung des Netzwerk Cuba in Paderborn

Netzwerk Cuba

Ein Kurzbericht und die verabschiedete Resolution der Jahreshauptversammlung (JHV) und Grußwort des Präsidenten des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP). Die JHV des Netzwerk Cuba fand am 11. Oktober 2025 in Paderborn statt.

Eine solche Versammlung hat die Aufgabe, Bilanz zu ziehen über die geleistete Arbeit seit der letzten JHV ein Jahr zuvor, über die finanzielle Situation, und den Vorstand und die Redaktion der ncn – unseres Informationsdienstes – zu entlasten und die Arbeitsschwerpunkte für das nächste Jahr festzulegen.

In diesem Jahr erreichte uns eine Grußbotschaft von Fernando González Llort, dem Präsidenten des ICAP, des cubanischen Instituts für Völkerfreundschaft, mit dem uns eine enge und langjährige Partnerschaft verbindet. Unter anderem bezog er sich auf das Arbeitsprogramm, das im Nov. 2024 in Paris beim Europatreffen der Cuba-Solidarität beschlossen wurde. Außerdem beging unsere gastgebende Gruppe (Cuba Sí) in Paderborn ihr 10jähriges Bestehen und einen erfolgreichen Kommunalwahlkampf in NRW.

Der Rechenschaftsbericht war vorab den Mitgliedern zugesandt worden ebenso wie die Arbeitsplanung 2025/26, so dass nur einzelne Aktivitäten und Planungen vorgestellt wurden. Eine Resolution im Entwurf wurde vorgelegt. Die Vertreter:innen der Mitgliedsgruppen berichten von ihrer Arbeit und betonten dabei, welche wichtige Rolle kulturelle Aktivitäten und kontinuierliche Kontakte spielen, wenn man einen breiteren Personenkreis für Cuba ansprechen möchte.

Die Lage in Cuba ist ja weiterhin extrem schwierig, und gegenwärtig ist kein Szenario absehbar, das eine Reduzierung der zerstörerischen US-Blockade oder der weiteren einseitigen Zwangsmaßnahmen von Trump mit sich bringen könnte. Dies darf nicht zu Resignation führen, sondern es ist auch darzustellen, welch ungeheure Widerstandskraft das cubanische Volk zeigt, wie gut die cubanische Außenpolitik zu internationalen Netzwerken führt, in denen neben einer direkten Unterstützung auch neue Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gefunden werden. Bei aller Misere entwickelt Cuba seinen sozialistischen Weg weiter, z.B. wird gegenwärtig ein neues Arbeitsgesetzbuch breit diskutiert.

Es ist uns klar, dass in unserer westlichen kapitalistischen Gesellschaft wenig authentische Informationen über Cuba vorliegen, unsere wesentliche Aufgabe daher die Verbreitung von Infos über die cubanische Gesellschaft und die mehr als 60jährige Aggression der USA ist. Dabei versuchen wir, junge Menschen, Gewerkschafter und Humanisten für die cubanische Sache zu begeistern.

Auf der politischen Ebene dürfen wir nicht nachlassen, Entscheidungsträger anzusprechen, in den Parlamenten auf allen Ebenen. Insbesondere auf der EU-Ebene wird immer wieder von rechten Kräften versucht, das Abkommen zwischen der EU und Cuba zu Fall zu bringen. Dabei sollte auch immer die klare politische Haltung Cubas zu den aktuellen Konflikten und Kriegen (z.B. Gaza) dargestellt werden.

Unsere konkrete materielle und finanzielle Solidarität ist weiterhin unbedingt nötig – auch zur moralischen Unterstützung der cubanischen Bevölkerung. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch in den Medien mit Wort und Bild davon zu berichten. Auf diesem Gebiet müssen wir uns weiter qualifizieren, um auch eine größere Reichweite und Resonanz zu erzielen.

Wir werden die erneute Abstimmung der Cuba-Resolution Ende Okt. 2025 in der UN nutzen, um überall im Land öffentliche Aktionen durchzuführen. Außerdem wollen wir eine Arbeitsgruppe gründen, um gemeinsam mit der „junge Welt“ eine Cuba-Konferenz zu planen – am 13.8. 2026 ist der 100. Geburtstag von Fidel Castro Ruz – um seine Bedeutung nicht nur als historische Persönlichkeit, sondern in seiner Aktualität klar zu machen.

Der alte Vorstand ist auch weitgehend der neue, statt Meike (berufliche Belastung) steigt Marko Zander in die Vorstandsarbeit ein; der Vorsitzende ist weiterhin Dr. Edgar Göll, Vize ist Marianne Schweinesbein.

Angelika Becker, Vorstandsmitglied des Netzwerk Cuba


 

Resolution der Jahreshauptversammlung des Netzwerks Cuba am 11. Oktober 2025 in Paderborn

Cuba durchlebt eine extrem schwierige, komplexe Periode, weil es unter der Weltwirtschaftskrise, der Pandemie und den Folgen der Kriege leidet. Cuba hat mit einer Supermacht zu tun, die es bereits seit Jahrzenten einer unmenschlichen Blockade aussetzt und die von einem Präsidenten geführt wird, der diese Blockade weiter verschärft. Sehr schwerwiegend und folgenschwer ist die große Zahl an Migrant:innen, durch die zahlreiche Arbeitszusammenhänge unterbrochen werden, Arbeitskräfte fehlen, Familien auseinandergebracht werden usw. Und dass ausgerechnet der Weltmeister des Terrorismus, die USA, die ihr Nachbarland seit Jahrzehnten mit kriminellen und aggressiven Mitteln zu zerstören suchen, diesen Inselstaat als „Terrorismus unterstützenden Staat“ verunglimpfen, zeigt die Unmenschlichkeit des sich im Untergang befindlichen US-Systems („imperial overstretch“).

Auch der Chef der US-Botschaft in Havanna, Mike Hammer, agiert wie im Wilden Westen und provoziert Cuba auf unverschämte (und illegale) Weise. Nach sechs Monaten in Cuba gab er in Miami bekannt, dass künftig noch mehr „Sanktionen“ (also unilaterale Zwangsmaßnahmen) gegen Cuba verhängt werden würden. Seine häufigen Treffen mit „Dissidenten“ sind höchst feindselig. So gab der von ihm besuchte „Dissident“ Guillermo Fariñas eine Pressemitteilung heraus, in der er Hammer erklärte, was notwendig wäre, um einen Regimewechsel in Cuba herbeizuführen: eine „soziale Explosion“, ein Militärputsch sowie eine See- und Luftblockade.

Die militärisch-aggressive Dimension des US-Imperialismus zeigt er nun unverhüllt durch die Entsendung von Kriegsschiffen in die südliche Karibik vor die Küste von Venezuela: vier Zerstörer, sie sollen als Begleitschutz agieren für große hochmoderne amphibische Landungsboote, die mehr als 4.500 Marineinfanteristen transportieren. In üblichen Fake News wird diese Aggression mit dem „Kampf gegen Drogenhandel“ verkauft, und der venezolanische Präsident Maduro allen Ernstes als größter Drogenhändler der Welt verunglimpft und für seine Ergreifung eine Belohnung von bis zu 50 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Indirekt ist dies ein Kriegsdrohung gegen weitere Staaten, insbesondere auch gegen Cuba.

Wir müssen dies zusammen mit anderen lokalen Aktiven in der Friedensbewegung, den Gewerkschaften, Globalisierungskritikern, in der Frauenbewegung, der Umweltbewegung, Parteien, sozialen Bewegungen etc. bewirken. Und wir als Netzwerk Cuba probieren dies darüber hinaus mit Solidaritätsorganisationen im europäischen Ausland und den USA. Wir müssen

  • überall über Cuba, seine Menschen, seine Leistungen sowie die kriminelle US-Politik informieren und unser aller Medienarbeit intensivieren!
  • die materielle und finanzielle Solidarität in ihren positiven Wirkungen zu verstärken!
  • für Reisen nach Cuba werben, sie ermöglichen eigene Erfahrungen und motivieren zu solidarischem Engagement – und stärken die Tourismusbranche!
  • für ein Ende der völkerrechtswidrigen US-Blockade und die Streichung Cubas von der Liste der Terror unterstützenden Saaten kämpfen!

Wir regen alle Gruppen und Aktivist:innen angesichts der extrem schwierigen und gefährlichen Lage in und um Cuba an, Aktionen und Veranstaltungen in Vielfalt und effektvoll durchzuführen. Es gilt, die Regierung und die Bevölkerung des sozialistischen Cuba in seiner souveränen, selbstgewählten Entwicklung gegen den Imperialismus mit allen passenden Mitteln zu unterstützen!

UNBLOCK CUBA, UN-Abstimmung

Unsere Informationen und Forderungen müssen in die Medien getragen werden, müssen die Öffent-lichkeit und vor allem Entscheidungsträger erreichen. Gehen wir auf die relevanten Leute zu.

Viva Cuba Socialista! Viva la Solidaridad!


 

Grußwort des Präsidenten des ICAP an die JHV

Dr. Edgar Göll, Präsident des Kuba-Solidaritätsnetzwerks in Deutschland (NETZWERK)

Liebe Freunde und Mitgliedsorganisationen des NETZWERKs:

Wir grüßen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahresversammlung des Kuba-Solidaritätsnetzwerks herzlich, einer Organisation, mit der uns eine enge Freundschaft verbindet. Seit seiner Gründung 1993 hat das NETZWERK das kubanische Volk in den schwierigsten Zeiten und während der größten Aggression des US-Imperialismus gegen unser Land begleitet und unterstützt.

Unzählige politische Unterstützungsaktionen wurden von aktuellen und ehemaligen Mitgliedern und Mitgliedsorganisationen sowie von unzähligen Freunden durchgeführt, die uns besucht und uns geholfen haben. Darüber hinaus wurden Patenschaften für konkrete Projekte in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft übernommen. All dies hat dazu beigetragen, die Auswirkungen des gegen uns geführten Wirtschaftskriegs abzumildern, den wir ohne die breite Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung mit Kuba, der Ihr aktiv angehört, nicht hätten bewältigen können.

Das Jahr 2025 war für Kuba ein sehr komplexes, aber gleichzeitig auch ein ganz besonderes Jahr für alle ICAP-Mitarbeiter. Trotz der Herausforderungen, die der gegen uns geführte Wirtschaftskrieg mit sich brachte, ist unsere Motivation durch das 65-jährige Jubiläum von ICAP, das wir, wie Sie wissen, im kommenden Dezember feiern werden, gewachsen. Wir sind dankbar, dass eine Delegation des Vorstands bereits ihre Anwesenheit auf der Insel zu diesem wichtigen Anlass bestätigt hat.

Unsere Freude wird auch 2026 anhalten, wenn wir den hundertsten Geburtstag unseres Comandante en jefe Fidel Castro feiern. Mit seinem Vermächtnis und seinen revolutionären Taten als Banner werden wir weiterhin Freunde für das von uns verteidigte soziale Projekt gewinnen und die Verteidigung des Weltfriedens, die heute so notwendig ist, ausbauen.

Der Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung durch Israel, mit offener Unterstützung der Regierung Donald Trumps und anderer Verbündeter, stellt eine der schlimmsten Grausamkeiten der Menschheit dar und er dauert leider trotz weit verbreiteter Proteste in der Bevölkerung an.

Bedauerlicherweise hält der mächtige Feind aus dem Norden an seiner Absicht fest, die kubanische Revolution und mit ihr die Alternative für eine andere Gesellschaft, die sie repräsentiert, vom Erdboden zu tilgen. Seid euch bewusst, Freunde, dass dieser Wunsch-Traum wie schon bei früheren Gelegenheiten scheitern wird. Kuba hat nicht die Absicht, auch nur einen Deut vom Aufbau des Sozialismus abzuweichen, für den wir seit Januar 1959 eintreten und für den so viel Blut, Schweiß und Tränen vergossen wurden. Wir zählen darauf, dass wir weiterhin gemeinsam voranschreiten und die Freundschaft zwischen unseren Völkern und Organisationen vertiefen.

Die Prioritäten der Solidaritätsarbeit wurden im Aktionsplan dargelegt, der auf dem 19. Europäischen Solidaritätstreffen mit Kuba im vergangenen November in Paris verabschiedet wurde. Bitte arbeitet auch in Zukunft daran, diese Vereinbarungen zu erfüllen, im Bewusstsein dessen, dass „Wer heute für Kuba aufsteht, steht für immer auf“, wie unser Apostel José Martí sagte.

Diese Jahresversammlung ist eine besondere Gelegenheit, allen Organisationen, die das NETZWERK bilden, unseren aufrichtigen Dank auszusprechen. Wir sind uns bewusst, dass Eure entschiedene Unterstützung der kubanischen Revolution in ganz Deutschland zu einer dauerhaften Verurteilung der US-Blockade und zur Verteidigung des Rechts des kubanischen Volkes geführt hat, sein politisches System ohne ausländische Einmischung zu wählen.

Helfen Sie uns, mehr Freunde Kubas zu ermutigen, sich vom 21. Dezember bis 3. Januar 2026 an der internationalen Brigade „65 Jahre Liebe zu Kuba“ zu beteiligen. Es wird eine besondere Gelegenheit sein, die Ergebnisse unserer Arbeit mit den Teilnehmern zu teilen und neue Strategien für den Kampf zu vereinbaren. Wir bekräftigen, dass Ihr Euch stets auf das Kubanische Institut für Völkerfreundschaft verlassen könnt, um jede Eurer Solidaritätsinitiativen zu unterstützen. Wir freuen uns darauf, Sie im nächsten Dezember wiederzusehen.

Brüderlich

Fernando González Llort